Ausstellung Eisenbahn-Romantik

Drei Tage im September: Märklin-Tage 2019 in Göppingen

Die Baureihe 103 im Bahnhof Göppingen.
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Göppingen ist eine kleine Stadt in der schwäbischen Provinz, auf halber Strecke zwischen Stuttgart und Ulm gelegen. Der ICE fährt hier durch und hält nicht, einer der wenigen digitalen Weltmarktführer aus Deutschland hat hier seinen Sitz (Teamviewer).

Aber alle zwei Jahre wird der Bahnhof mit den sieben Bahnsteigen zum Nabel der Bahnwelt in Deutschland: Dann lädt der andere Weltmarktführer aus der Stadt zum Stelldichein: Märklin lädt dann zu den Märklin-Tagen, zusammen mit der Internationalen Modellbahn-Ausstellung, die im Wechsel in Köln zu Gast ist. Wir berichteten.

Das mit dem Weltmarktführer ist natürlich übertrieben, weil es keine echten Marktanteilsuntersuchungen gibt, aber Märklin ist eben wirklich für Modellbahnen das, was Tempo für Taschentücher ist – eine Marke, die Synonym für ein Produkt geworden ist. Auf alle Fälle 2018 immer noch die Nummer 7 im deutschen Spielzeugmarkt:

An den drei Tagen im September scheint die Sonne über der Industriestadt. 25 klimatisierte Busse sind im Einsatz zwischen den sechs Locations, auf die sich die Aktivitäten verteilen. Die erste Location ist dabei der Bahnhof. Gleich in der Eingangshalle gibt es die Bändchen zu kaufen, die als Eintrittskarte fungieren. Und alle sind so VIPs. Damit kann man einen der Busse nutzen, die den Rundkurs durch die Stadt fahren.

Im Bahnhof finden auf Gleis 2/3 die größeren Fahrten statt: Hier sind die Sonderzüge angekommen, wie etwa der Rheingold-Express, mit dem einige besonders eingefleischte Fans angereist sind. Außerdem kann man eine Führerstandsmitfahrt mit einer Dampflok machen. Verschiedene Modelle sind im Einsatz, eines der eingeplanten Modelle kann leider nicht fahren. Das hatten wir schon im Regionalzug bei der Anreise erfahren:

„Aufgrund einer liegen gebliebenen Dampflok verzögert sich unsere Weiterfahrt nach Göppingen leider um einige Minuten.“

Dampfloks allerorten in Göppingen
Dampfloks allerorten in Göppingen

Auf Gleis 7 wartet eine Diesel-Rangier-Lok mit eigener Treppe auf interessierte Mitfahrer. Im Laufe der Märklin-Tage legt sich immer wieder eine Diesel-Wolke über den Bahnhof. Ebenfalls auf Gleis 7 wartet das Schienenbus-Gespann, das zwischen Bahnhof und Leonhard-Weiss-Areal pendelt. Leonhard Weiss ist ein Bauunternehmen, das auch im Schienenbau sehr stark ist. Wer schon einmal eine Baustelle an einem Gleis gesehen hat, hat mit großer Wahrscheinlichkeit in Süddeutschland auch eine Maschine mit LW-Kennzeichnung aus Göppingen gesehen. 

In dieser zweiten Location kann man eine echte Gleisstopfmaschine von unten betrachten. Mit meinen fast 1,90 Meter ist es schwierig unten durchzugehen. Außerdem gibt es eine Hüpfburg und eine Modelleisenbahnanlage.

Wer mit dem Bus von dort weiter fährt, wird zum Stauferpark gebracht. Dort wird sonst der Tigerenten-Club der ARD aufgezeichnet, aber an diesen Tagen steht er ganz im Zeichen der Eisenbahn. Auf dem Parkplatz drehen zwei Kinder-Eisenbahnen zum Mitfahren ihre Runden – eine mit Strom, die andere eine Echtdampfbahn. Zu Stoßzeiten sind es sogar zwei Echtdampfbahnen. Plätze gibt es genug. Nur eine Sache ist Mangelware: Schatten. Ein paar Biergarten-Sonnenschirme verlieren sich auf dem großen Platz. 

Dafür ist es in den beiden Ausstellungszelten erstaunlich kühl, nicht nur in der Werfthalle, die auch als Ausstellungsfläche dient, sondern auch in den zeitweise aufgeschlagenen Zelten, wo sich auch andere Hersteller außer Märklin ein Plätzchen gemietet haben: Brawa, Busch, Brekina, um nur ein paar zu nennen. Roco hat wieder seine Anlage auf dem Stand dabei, die auf der Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg ihre Premiere hatte (Bahnhof Eichstätt und das Altmühltal). Auf dieser verkehren ein Railjet sowie ein Güterzug mit Wagen der Firma „LKW Walter“.

Neuere Eindrücke darf ich in der EWS-Arena sammeln, in der sonst die Bundesliga-Handballer von Frisch auf Göppingen Anwurf haben. Hier fahren die großen Bahnen im Maßstab G, von der Westernbahn bis hin zu Dioramen, die wunderschön hergerichtet sind. Vor der Halle wurden Essensstände aufgebaut, mit einer Kasse, einem „Bierstand“ sowie einem Stand mit Steak- und Bratwurstsemmeln.

„Wir waren froh, dass wir das Ticket schon am Bahnhof gekauft haben.“

In der EWS Arena wurden Stände in Reihen aufgestellt, mit sehr schöne Züge und die Brücken wurden schön gestaltet – zum Beispiel der Glacier-Express mit den typischen großen Fenstern im Restaurant und anderen Wagen.

Etwas zu kurz kommt dann die Märklin-Romantik in der Baustelle zum Märklineum, das im nächsten Jahr zum Firmenjubiläum eröffnen soll. Das „Märklineum“ ist das Museum für Märklin und soll aus der Firmengeschichte erzählen, einen Einblick in die Produktion verschaffen und natürlich eine Vorzeige-Modellbahnanlage in Spurweite H0 beinhalten. Dicht an dicht wird durch den Shop geschoben, was die Vitrinen hergeben – und die Warteschlange für die Werksbesichtigung ist mit Kindern unzumutbar. Vor allem, weil es unklar ist, ob man tatsächlich noch hineinkäme.

Bei den nächsten Märklin-Tagen dann. Oder an einem Pressetag, wenn das Märklineum eröffnet wird. Das ist für 2020 geplant.

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